Eine umfassende Studie des Massachusetts General Hospital, einer führenden US-Klinik, legt nahe, dass bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankten, bis zum Alter von drei Jahren etwas häufiger Neuroentwicklungsstörungen auftreten.
Die in der Fachzeitschrift Obstetrics & Gynecology veröffentlichten Ergebnisse weisen auf eine höhere Wahrscheinlichkeit von Problemen wie Sprachverzögerungen, motorischen Störungen und Autismus-Spektrum-Störung (ASS) hin.
Kinder von Frauen, die sich während der Schwangerschaft infiziert hatten, erhielten in den ersten drei Lebensjahren häufiger solche Diagnosen. Eine Autismus-Diagnose wurde bei 2,7 % der exponierten Kinder gestellt, verglichen mit 1,1 % in der Kontrollgruppe.
Biologische Mechanismen und Einflussfaktoren
Die Forschenden stellten fest, dass das erhöhte Risiko ausgeprägter war, wenn die mütterliche Infektion im dritten Schwangerschaftstrimester auftrat, und zudem bei männlichen Nachkommen häufiger beobachtet wurde.
Das deckt sich mit der bisherigen Erkenntnis, dass Jungen generell anfälliger für Sprach- oder Motorikverzögerungen sind.
Die Studie zeigt zwar einen Zusammenhang, belegt aber keine direkte Kausalität.
Wissenschaftler*innen vermuten, dass Infektionen und Entzündungen in der Schwangerschaft die Entwicklung des fetalen Gehirns beeinflussen können – ein Phänomen, das auch bei anderen Erkrankungen beobachtet wurde.
Entzündungsmediatoren können das kindliche Gehirn erreichen und zentrale Prozesse verändern, etwa das synaptische Pruning, bei dem in der frühen Entwicklung Nervenschaltkreise verfeinert werden.
Folgen für Prävention und weitere Forschung
Expert*innen betonen, dass das zusätzliche Risiko für ein einzelnes Kind insgesamt gering bleibt. Angesichts der Millionen von Frauen, die während der Pandemie schwanger waren, verdient aber selbst ein kleiner Anstieg Aufmerksamkeit.
Die Studie räumt zudem ein, dass auch andere Faktoren – etwa elterlicher Stress, sozioökonomische Belastungen oder bereits bestehende gesundheitliche Einschränkungen der Mutter – zu den beobachteten Trends beitragen könnten.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, Infektionen während der Schwangerschaft zu vermeiden.
Obwohl diese Untersuchung aus der Zeit vor den COVID-19-Impfungen stammt, zeigt andere Forschung, dass eine Impfung in der Schwangerschaft sicher und wirksam ist und Risiken für Mutter und Kind verringert.
Fachgesellschaften wie das American College of Obstetricians and Gynecologists empfehlen die Impfung. Die Forschung zu den langfristigen Folgen läuft weiter.