Schwere Grippe in der Schwangerschaft mit Veränderungen in der fetalen Gehirnentwicklung verbunden

Eine aktuelle Studie der University of Illinois Urbana-Champaign, einer führenden Forschungsuniversität in den USA, wirft neues Licht auf die Gefahren schwerer Grippeinfektionen während der Schwangerschaft.

Die von der Doktorandin Ashley Otero und ihrer Betreuerin Adrienne Antonson durchgeführte Untersuchung beleuchtet, wie die mütterliche Immunantwort – und nicht das Virus selbst – die Gehirnentwicklung des Fötus beeinflussen kann.

Mit lebendem Influenza-A-Virus an Mäusen stellten die Forschenden fest, dass schwere mütterliche Infektionen zu Veränderungen im fetalen Gehirn führen können, insbesondere bei der Entwicklung der Großhirnrinde.

„Unsere Daten liefern überzeugende Hinweise auf eine Schweregrad-Schwelle der Infektion, die das widerspiegelt, was wir auch beim Menschen beobachten“, erklärte Antonson.

Schweregrad der Infektion und fetale Entwicklung

Die Ergebnisse zeigen, dass eine bestimmte Schwelle der mütterlichen Immunantwort zu negativen Folgen für den sich entwickelnden Fötus führen kann.

Die Arbeit gehört zu den wenigen Untersuchungen, die eine mütterliche Infektion bei Mäusen mit lebendem Influenzavirus in Dosierungen studieren, die den während saisonaler Grippewellen beim Menschen auftretenden Mengen entsprechen.

„Das bedeutet, dass unsere Ergebnisse für menschliche Erkrankungen noch aussagekräftiger sind“, so Otero und betont damit die Bedeutung der Studie für die Übertragung von Tiermodellen auf den Menschen.

Immunreaktionen im fetalen Gehirn

Das Team beobachtete nach schweren mütterlichen Infektionen eine erhöhte Aktivität der Mikroglia, der residenten Immunzellen des Gehirns, sowie der Border-Associated Macrophages (BAMs), die Entzündungen an den Grenzbereichen des Gehirns regulieren.

Unter normalen Bedingungen unterstützen diese Immunzellen die gesunde Gehirnentwicklung. Bei Überaktivierung können sie jedoch von einer schützenden zu einer schädlichen Rolle wechseln und in der Folge heranreifende Neuronen angreifen, statt sie zu fördern.

Die Forschenden stellten außerdem fest, dass moderate Infektionen mit weniger negativen Folgen einhergingen als schwere – ein weiterer Hinweis darauf, wie stark der Schweregrad die Neuroentwicklung des Fötus beeinflusst.

Laut Antonson können schwere Infektionen nicht nur das fetale Wachstum einschränken, sondern auch die Anzahl myeloider Immunzellen im Gehirn erhöhen und die normale Ausbildung der Großhirnrinde stören.

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es für Schwangere ist, sich in der Grippesaison mit einer passenden Impfung zu schützen. Zudem legen sie nahe, dass fiebersenkende Mittel wie Paracetamol vorsorglich eingesetzt werden könnten, um Symptome wirksam zu lindern.

Mit solchen Maßnahmen lässt sich das Risiko schwerer Infektionen deutlich senken – ein Plus für die Gesundheit der Mutter und für die gesunde Entwicklung des Babys.